Einfachheit ist kein Talent. Sie ist eine Entscheidung – und eine Fähigkeit, die du lernen kannst.
Die meisten Unternehmen glauben das Gegenteil. Sie halten Einfachheit für etwas, das manche Menschen eben können und andere nicht. Für einen Zufall im Produktdesign, für das besondere Gespür einzelner Gründer. Doch wer so denkt, gibt die Verantwortung ab. Und genau so entstehen die Formulare, Preislisten, Freigabeschleifen und Angebote, über die sich alle ärgern – auch die, die sie gebaut haben.
Warum gut gemeint so oft kompliziert endet
Niemand plant Kompliziertheit. Sie wächst. Jede neue Regel hat einen guten Grund, jede zusätzliche Produktvariante einen Kunden, der sie einmal verlangt hat, jeder weitere Genehmigungsschritt einen Vorfall, den niemand ein zweites Mal erleben will. Einzeln betrachtet ist alles sinnvoll. In der Summe entsteht ein System, das keiner mehr überblickt.
Die Frage ist also nicht, ob in deinem Unternehmen Kompliziertheit entsteht. Sie entsteht. Die Frage ist, ob jemand regelmässig hinschaut und entscheidet, was bleiben darf. Weglassen braucht Mut, denn jede Funktion und jede Regel hat jemanden, der sie verteidigt. Einfachheit heisst, trotzdem zu entscheiden.
Der Test mit dem Fahrkartenautomaten
Wann ist etwas wirklich einfach? Mein liebster Test ist der Fahrkartenautomat. Für den Einheimischen, der jeden Tag dieselbe Strecke fährt, ist fast jeder Automat einfach. Er kennt die Tasten, die Zonen, die Abkürzungen. Doch was ist mit der Touristin, die zum ersten Mal davorsteht, den Koffer in der Hand und den Zug in drei Minuten?
Einfach ist es für denjenigen ohne Vorkenntnisse – nicht für den, der es sowieso kann. Und genau das ist der Punkt, an dem viele Vereinfachungsprojekte scheitern: Sie werden von Menschen beurteilt, die das System seit Jahren kennen. Einfach ist, was Kundinnen, Kunden und Mitarbeitende als einfach erleben. Nicht, was intern logisch wirkt.
Kompliziert ist nicht komplex
Bevor du vereinfachst, lohnt sich eine Unterscheidung. Ein kompliziertes System hat viele Teile, ist aber durchschaubar. Du kannst es zerlegen, verstehen und vorhersagen. Hier wirken die Prinzipien der Einfachheit direkt: ordnen, streichen, ersetzen.
Ein komplexes System dagegen lebt von Wechselwirkungen und ist nie ganz vorhersehbar. Märkte, Teams, ganze Organisationen. Komplexität lässt sich nicht wegvereinfachen. Doch der Umgang damit kann einfacher werden: mit klaren Regeln, kurzen Wegen und schneller Rückmeldung. Wer diesen Unterschied nicht macht, versucht entweder, das Unvorhersehbare in Prozesse zu pressen. Oder er lässt das Überflüssige stehen, weil ja „alles komplex“ sei.
Die 5 Prinzipien der Einfachheit
Im Buch „simplicity.“, das ich zusammen mit Chris Brügger und Jiri Scherer geschrieben habe, fassen wir Einfachheit in fünf Prinzipien. Jedes beginnt mit einer Frage. Und jede dieser Fragen kannst du morgen früh an dein eigenes Produkt, deinen Prozess oder dein Angebot stellen.
Restrukturieren: Wie lässt sich das ordnen, damit sich Nutzerinnen und Nutzer sofort zurechtfinden? Ein Formular folgt dann dem Ablauf der Kundin und nicht der Abteilungslogik des Unternehmens.
Weglassen: Was können wir streichen, ohne dass jemand es vermisst? Produktvarianten, die kaum gekauft werden, verschwinden – und die Wahl wird für alle leichter.
Ergänzen: Was fehlt, damit es leichter geht? Manchmal macht gerade ein Zusatz die Sache einfacher, etwa eine sinnvolle Voreinstellung oder eine Kurzanleitung, die den Blick ins Handbuch erspart.
Ersetzen: Womit erreichen wir dasselbe auf einfacherem Weg? Eine mehrstufige Freigabeschleife weicht einer klaren Entscheidungsregel.
Wahrnehmen: Wie erleben Kundinnen und Kunden es? Einfachheit, die niemand bemerkt, verschenkt ihre Wirkung. Ein Angebot als klares Paket wirkt anders als eine Liste mit zehn Einzelposten.
Warum Lesen allein nicht reicht
Viele lesen diese Prinzipien, nicken – und am Montag sieht ihr Alltag aus wie vorher. Das liegt nicht am fehlenden Wissen. Es liegt daran, dass Einfachheit eine Haltung ist, bevor sie zur Methode wird. Veränderung im Aussen passiert erst, wenn sie zuvor im Inneren stattgefunden hat.
Was bedeutet das? Du brauchst nicht noch ein Framework. Du brauchst die Übung, die Prinzipien an deinem eigenen Thema anzuwenden, bis du sie ohne Unterlagen beherrschst. Und du brauchst Unterstützung in den Wochen danach, wenn der alte Alltag zurückdrängt. Genau dort scheitern die meisten guten Vorsätze.
So läuft das Simplicity Training ab
Deshalb ist das Live-Seminar der simplicity.akademie bewusst in drei Phasen aufgebaut: eine Woche Vorbereitung online, ein Tag live vor Ort und danach vier Wochen begleitete Umsetzung. Ein Tag, der nicht am Abend endet.
Du lernst Einfachheit als Haltung und als Methode. Du übst die fünf Prinzipien mit ihren Strategien so lange, bis du sie ohne Unterlagen anwenden kannst. Und du setzt sie danach vier Wochen lang an deinem eigenen Thema um. Am Ende steht kein voller Ordner, sondern ein vereinfachtes Produkt, ein entschlackter Prozess oder ein Angebot, das sich selbst erklärt.
Das nächste Live-Seminar findet am Montag, 22. Februar 2027 auf dem Pöstlingberg in Linz statt. Die Plätze sind begrenzt.
Für wen sich das lohnt
Für Unternehmerinnen und Unternehmer, die Angebote wollen, die Kunden sofort verstehen – und kaufen. Für Führungskräfte, die Abläufe, Regeln und Entscheidungswege entschlacken wollen, damit ihr Team Zeit für das Wesentliche gewinnt. Und für Gestalterinnen und Gestalter, die von Anfang an einfach entwerfen wollen, statt nachträglich zu reparieren.
Dein erster Schritt
Du hast die Wahl, ob du wartest, bis der Leidensdruck gross genug ist – oder ob du jetzt aus Überzeugung anfängst. Nimm dir heute ein einziges Formular, eine Preisliste oder einen Ablauf in deinem Unternehmen vor und stell die Frage: Was können wir streichen, ohne dass jemand es vermisst?
Und wenn du die Antwort nicht allein suchen willst: Hier findest du alle Infos zum Simplicity Training am 22. Februar 2027 in Linz.
Vom Lesen ins Tun
Einfachheit lernt man am besten gemeinsam.
Wenn du die Ideen aus diesem Beitrag in deinem Unternehmen umsetzen willst, gibt es drei Wege.
Live-Seminar
Simplicity Training
Die Methode kompakt lernen und direkt am eigenen Thema anwenden.
- Mo., 22. Februar 2027
- Linz / Pöstlingberg
- 1 Woche online, 1 Tag live, 4 Wochen Umsetzung
Inhouse · 2 Tage
Simplicity Workshop
Am ersten Tag lernt dein Team die Methode, am zweiten vereinfacht ihr ein echtes Thema aus eurem Unternehmen.
Das Buch
«simplicity.»
Das Grundlagenbuch zur Methode: fünf Prinzipien für einfache Produkte, Dienstleistungen und Prozesse.

